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Kapitel 2: „Just Playing“ – mit nem SUV den Cabbot Trail entlang

Der Cabbot Trail: 08. -13. Mai 2019

Zum besseren Verständnis soll dieses Kapitel mit einem kleinen Rückblick beginnen! Es ist gut eine Woche her, dass wir einen wunderschönen letzten Platz auf der Gaspé-Halbinsel zum übernachten gefunden haben. Direkt am Meer, mit kleinen Picknicktischen und einem fantastsischen Sonnenuntergang. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit frischt der Wind jedoch so stark auf, dass wir extrem Mühe haben unser Zelt aufzubauen und uns fast die Finger abfrieren. Kurz entschlossen verschiebt Benny eine größere Mülltonne als Windschutz und nimmt dabei sein Bein zur Hilfe. Dieser Einsatz beschert uns zwar eine halbwegs erträgliche Nacht, Benny allerdings auch ne ordentliche Bänderdehnung. Die drei darauffolgenden Wochen humpelt er…

Wir sitzen also in Halifax in besagter netter Bar und diskutieren unsere Möglichkeiten. Ganz im Norden der Provinz Nova Scotia befindet sich der legendäre Cabbot Trail, der einmal rund um Cape Breton Island führt und den wir eigentlich als unser erstes großes Ziel mit dem Bus ansteuern wollten. Deswegen erscheint es uns echt unattraktiv weitere fünf Tage in der Stadt rumzuhängen! Weitere 1000 km trampen und wandern scheiden jedoch aufgrund der eingangs beschriebenen Situation aus. Kurz entschlossen mieten wir uns ein Auto – kleinste Kategorie selbstverständlich – mit dem wir die nächsten Tage den Cabbot Trail in Angriff nehmen wollen.

Ohne darüber zu sprechen, hatten wir beide gehofft, eventuell ein kleines Mietwagen-Upgrade zu bekommen. Von dem Geschoss, zu dem uns die nette Dame vom Verleih dann den Schlüssel überreicht, sind wir aber doch etwas geplättet. Statt des gängigen Chevis in Größe eines Fiat Pandas, verbringen wir die nächsten Tage in einem vollautomatischen und geländegängigen SUV, der es uns ermöglicht, auch die abgelegensten Strände und holprigsten Straßen problemlos zu erreichen.[1] Der größte Vorteil, wie sich schnell herausstellen soll, besteht allerdings darin, dass wir sogar einigermaßen bequem in dem Teil pennen können (das Wetter ist leider meist immer noch eher mit nem frostigen März in Deutschland vergleichbar). Wir fahren bis Havre Boucher, einem kleinen Ort kurz vor Cape Breton Island. Dort stellen wir fest, dass sich der Kofferraum des SUV auch ganz hervorragend als Windschutz zum Kochen eignet – draußen versagt unser kleiner Campingkocher kläglich (die Frage, wie wir den Geruch wieder aus dem Auto bekommen, verschieben wir spontan).

Am nächsten Tag erreichen wir die ersten Abschnitte des fantastischen Cabbot Trails und den Cape Breton Highlands National Park. Da dieser selbstverständlich noch geschlossen ist, kommen wir kostenlos in den Genuss der top geteerten Straßen (keine Selbstverständlichkeit) und wunderschönen Landschaft (schon eher eine Selbstverständlichkeit). Die Gegend ist bekannt für die steil ins Meer abfallenden Klippen, keltische Traditionen und vor allem für die vielfältige Tierwelt. Bei einer Wanderung auf dem Skyline Trail sehen wir zum ersten Mal aus nächster Nähe Elche, die ganz in Ruhe am Wegrand grasen. Aber auch weitere Wale, Weißkopfseeadler, Füchse und Stachelschweine laufen bzw. fliegen uns über den Weg.

Anders als in den letzten Wochen lernen wir in diesen Tagen eher selten Menschen näher kennen. Das ist zum einen natürlich etwas schade, andererseits genießen wir es auch sehr, mal wieder unabhängig unterwegs zu sein und einfach da stoppen zu können wo es uns gefällt. So verbringen wir beispielsweise einen sehr einsamen Abend an der windumtosten Meat Cove, dem nördlichsten Punkt von Nova Scotia (warum sich in so vielen Namen dieser Gegend nicht gerade vegetarische Anspielungen befinden, ist uns auch nicht ganz klar), machen das erste Mal ein richtig großes Feuer am Strand und fühlen uns wie in einem Werbeprospekt für Kanada.

Den letzten Abend unserer fünftägigen Rundreise schlafen wir in Peggy´s Cove, wo der angeblich meistfotografierte Leuchtturm Kanadas steht. Zu dieser Jahreszeit ist der Ort ein beschauliches kleines Fischerdorf und der Leuchtturm stellt sich tatsächlich als sehr fotogen heraus (wenn auch nicht allzu anders als die letzten 50 – Leuchtturm ist halt doch irgendwie Leuchtturm). Voller Vorfreude auf die kommenden Nächte in einem richtigen Bett, genießen wir den Abend und quetschen uns schließlich ein letztes Mal in den Kofferraum des SUV. Die nächtliche Ruhe wird am nächsten morgen jäh gestört, als die Alarmanlage eines Autos um sieben Uhr wie verrückt zu heulen beginnt und mehrere Minuten nicht aufhört. Peinlicherweise ist es unsere…

Nachdem wir das Ding irgendwie wieder ausbekommen haben, machen wir uns sehr früh auf den Weg zurück nach Halifax. Es ist noch extrem viel zu erledigen, bis wir unseren Bus wiederbekommen: Wir fahren zunächst zum Speditionsbüro, leider ist der Zoll noch nicht mit der Inspektion der Fahrzeuge fertig. Also waschen und betanken wir das Mietauto, anschließend wieder zurück zur Spedition. Der Zoll ist jetzt fertig (Juhuuu), macht aber gerade Mittagspause. Wir fahren mit den Papieren zum Flughafen und geben unser Mietauto ab. Von da aus mit dem Bus 1 ¼ Stunden zum Zoll (die Mittagspause ist dann auch rum). Da kein Bus zum Hafen fährt, laufen wir halt um der guten alten Zeiten willen mit unserem ganzen Gepäck hin. Mit den (neuen) Papieren vom Zoll geht´s in die Hafenmeisterei. Doofer Zeitpunkt: Grad kam nen Frachter mit Militärfahrzeugen, das ist nen komplizierter Fall und dauert ne Stunde. Aber schließlich, weitere 45 Minuten später, sehen wir IHN nach vier Wochen endlich wieder und freuen uns echt wie bolle, dass es jetzt auch der kleine Onkel nach Kanada geschafft hat!

Nach einem kurzen äußeren Check und dem obligatorischen Wiedersehens-Selfie, sollen wir „pro forma“ überprüfen, ob das Auto auch anspringt. Benny dreht den Zündschlüssel und es passiert: NICHTS!


[1] Vor allem wenn es nicht das eigene Auto ist und man sich keine Sorgen macht muss, was zu schrotten ;-)!

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